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Panorama: Gedicht von Irma Paukert
 

27th October 2008

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Saat zu Brot –
Leben zu Tod - der Weg zu Gott

Irma Paukert, Dez. 1960

 

„Unser täglich’ Brot gib uns heute“

-

Das Korn ist nun gesäet, der Erde einverleibt.
Bevor der Landmann gehet, er in die Erde schreibt
Das hl. Hostienzeichen als Dank und Bittgebet.

Das Saatkorn lustig keimet, fest in der Erd’ es steht,
Mit rotem Nasenspitzlein es bald nach oben späht.
Wie wunderlich auf Erden wohl auch das Schicksal webt?
Bald färbt sich grün das Hälmchen und grüner wird die Saat,
Ach ringsrum die Natur jetzt schon buntre Farben hat–

-

Der Herbstwind weht schon rauer – sie rüstet sich zur Ruh’,
Bald fallen weiche Flocken und decken sie sanft zu.
Wie kalt auch ist der Winter, die Saat bleibt zugedeckt,
Bis hold die Frühlingssonne zu neuem Leben weckt.

 

-

Bald zieren Osterkreuzlein, geweiht nach altem Brauch,
Die üppig grüne Saat schon, sie wächst, bald reifet auch
Und wogt in guten Jahren, vom Unwetter verschont,
Das weite Ährenfeld; nun - die Probe sich schon lohnt:
Das Körnchen bereits knackt, die Ernte kann beginnen
Gekostet hat’s viel Schweiß, doch ist sie endlich drinnen
Der Garben letzte Fuhr’, im Wams der großen Scheuer,
Gott möge uns bewahr’n, vor Unglück und vor Feuer!

-

Nun wird behend gedroschen, gesondert von der Spreu,
Das Saatkorn wieder extra, das Brotkorn rein auch sei!
Gefüllt sind prall die Säcke im Wagen vor dem Tor,
Das Pferd, noch jung und mutig, schon spannt man es davor.
Drei Kreuzlein noch gezeichnet vor’m Wagen zum Geleit,
Daß Roß und Mann und Ladung vor Unglück sei gefeit!
Und schon nach ein paar Tagen das Brotmehl ist bereit,
Wird aus der Mühl’ gefahren, nach Haus zur rechtren Zeit.

-

Kannst gleich herein was bringen, die Bäuerin es spricht,
Stell’s auf die Ofenbank hin, der Sauer ist gericht.
Mit Wasser, Mehl und Sauer sie schwachen Teig anmacht,
Warm zugedeckt im Kübel, kann gehen über Nacht.
Ist’s in der Höh’ gesauert und fällt hinab nun schwer,
Drein wird das Mehl gesiebet in Rhythmus hin und her.
Nun wird rundum gegangen, das Kentscheit in der Hand
Der Teig wird durchgeknetet bis an des Kübels Rand.
Drei Kreuzlein dreingeschitten, der Teig kann wieder ruh’n.
Im Ofen prasselt’s Feuer, drauß gib’sjetzt viel zu tun.

-

Die Kohlen schön zerteilend, die Bäuerin sich schickt,
Bis weiß die Bogenwände und Stirnwand sie erblickt.
Nun walkt am Tisch den Laib sie und in die Form ihn drückt,
Ein Heer von sechszehn Broten die weite Diele schmückt.
Die Kohlen rasch verglimmen, nun wird gekratzt, gefegt,
„Brot raus!“ Mit langer Schosse wird es rasch eingelegt.

Da gehen flink und helfend die Kinder hin und her,
Bis jedes Brot auf der Schosse, die letzte Form ist leer.
Und jedes ward bestrichen mit lauem Wasser fein,
Daß glänzend braun die Rinde und Gleichmaß wird und rein.
Im Ofen wohl verwahret das Brot schön backet aus
Und schon nach fast zwei Stunden schiebt man das Brot heraus.

Das erste wird beklopfet, es klingt der richtige Ton,
Gut ist das Brot gelungen, das ist der Mühe Lohn!
Bevor das Brot aufschneidest, das Kreuz gezeichnet sei,
Der Herr hat’s auch gesegnet, bevor er’s brach entzwei!

-

Laß nie das Brot verkommen, jed’s Bröckchen hebe auf.
Laß nie den Leichtsinn walten, er zieht nur Unglück auf.
Und wie das Brot sich rundet, das Jahr schließt sich im Kreis,
So gehst auch Du zurück einst von Deiner Erdenreis’.

In Frohsinn und im Leiden, dass du stets Gott gedenkst,
Bis du aus Priester’s Händen das letzte Brot empfängst.

-

 

   
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