Asvattha

Home

About Asvattha

Über Asvattha

Current Articles

Archives

Search / Suche


Asvattha Web

Panorama

English

German

Malayalam

Spiritual Reflection

Spirituelle Reflexionen

Contribute

Terms & conditions

Teilnahmebedingungen

Submit an Article

Einreichen eines Artikels

Feedback

Related Links

Contact / Kontakt

Panorama: Lebenserinnerungen von Frau Maria Ebhart
 

17th June 2009

to print

Meine verlorene Heimat – Teil 2

Das flüssige Fett lief über mein Kleid.

Maria Ebhart,
(In dieser Serie veröffentlicht Frau Maria Ebhart ihre Lebenserinnerungen)

 

zurück zum Teil 1

Bei unserem Nachbarn, wo ein GPU-Major einquartiert war, fanden wir nachts Schutz. Mit Tante Veronika versuchten wir vergebens ein Gespann zu bekommen, um unsere Sachen aus dem Bunker zu holen. Wieder folgte eine Nacht. Schon am frühen Morgen musste ich mit Anton und Johann wieder Kartoffeln schälen gehen. Schließlich holte man die beiden weg, und ich blieb mit den Russen allein zurück. Meine Angst war unbeschreiblich. Doch, gottlob, es kamen andere Frauen dazu. Alle gealtert, entstellt. Ich erkannte Frau H. nicht. Jeder war bestrebt so alt und hässlich wie möglich auszusehen. Und wieder erlebte ich einen Schreck. Anton und Johann mussten nach Hause. Doch wir durften bei Nachbar B. in der Kammer bleiben. Wieder folgte eine Nacht. Familie S. schlief jetzt bei uns. Plötzlich wurde es laut im Hof. Russen schlugen an die leichte Kammertür. Ich dachte "jetzt ist alles aus!" Das wäre entsetzlich! Lautes Fluchen! Schreien! Krachen!

Atemlose Stille bei uns. Da - es wurde ruhiger. Die Wachen hatten die Horden abgewehrt. Dadurch, dass die Weinkeller geplündert wurden, gab es immer mehr betrunkene Horden. Die übrigen Tage blieb ich bei B. versteckt. Der GPU-Major beschützte uns. Doch der Gedanke an meine Sachen im Bunker ließ mir keine Ruhe. Mutti und Tante Veronika bemühten sich sehr. Endlich hatte Vroni einen Ochsen und Geschirr dazu aufgetrieben. Doch ich musste das Gespann selbst holen. Ich ging mit Mutti. Keine Zivilpersonen. Wir gingen lautlos, sahen weder rechts noch links. Wiederholt riefen uns Russen in die Häuser, doch wir verstanden sie nicht oder sagten, wir müssten zum Herrn Major. Endlich hatte ich den Ochsen und das Geschirr, spannte selbst ein, obwohl ich das noch nie gemacht hatte. Natürlich machte ich es falsch, holte den Wagen und fuhr los. Der Ochse war hungrig, durstig und nicht richtig eingespannt. Er wollte nicht gehen und überall auf den Feldern waren Russen. Über uns Geschützdonner. Ich kam unterhalb des Berges an, Mutti blieb beim Ochsen. Tante Veronika ging mit mir den Berg hinauf. Ich begann zu schleppen. Mit letzter Kraft brachte ich je einen Koffer und das wichtigste Bettzeug herunter. Alles andere musste bleiben; ich konnte nicht mehr. Da plötzlich kam ein Russe mit dem Fahrrad. Ich war zu Tode erschrocken. Doch er fragte nur, was wir hier machen. So gut ich es tschechisch konnte, antwortete ich ihm. Da ging er wieder zu seinem Fahrrad. Endlich konnten wir losfahren und kamen nach demselben schweren Weg doch gut zu Hause an. Nun war ich todmüde und bekam nach langem die Möglichkeit, im Zimmer unserer Nachbarn zu schlafen. Dort war ich nun bedeutend ruhiger und verbrachte einige ungestörte Nächte. Oft wurde zwar an die Tür gepocht, die Horden aber immer von der Wache verjagt. So lebte ich einige Tage, Mutti brachte Essen aus der Russenküche. Auch gab es noch genügend Milch. Nach wenigen Tagen kamen auch Trude, ihre Schwester Helli und Erni P. zum Nachbarn B. Schmutzig, halb verhungert und verdurstet kamen die drei aus ihrem Versteck auf dem Boden. Nun waren wir vier immer beisammen. In dem Zimmer waren schon zwölf Personen. Doch wir waren glücklich, dass wir nachts ruhig schlafen konnten; am Tage mussten wir uns aber noch verstecken. Oft lagen wir da auf dem Heuboden. Von dort konnten wir das Treiben im Hof beobachten. Einmal sahen wir, wie ein junger Russe, der sich selbst in die Hand geschossen hatte, zur Strafe in der Scheune erschossen wurde. Einmal waren wir alle beisammen in der Hofkammer, als ein kleiner russischer Oberleutnant herein kam. Wir Mädels waren zu Tode erschrocken und wollten alle heraus. Die anderen ließ er auch gehen, doch mich hielt er zurück. Noch waren die Älteren herinnen. Als meine Angst unbeschreiblich war, kam zufällig Herr B. herein. Der erkannte die Gefahr und lockte diesen Russen mit einem angeblichen Befehl des Majors heraus. Dankbar und befreit lief ich in die Scheune und versteckte mich unter dem Heu. Als ich etwa eine Stunde gelegen hatte, nahm ich Pferdehufe wahr und verließ mein Versteck. Doch da war auch ein Russe, der war aber, gottlob, nicht sehr tapfer und rief erschrocken "Partisan" und lief weg. Wieder folgten Tage und Nächte. Mutti ging nun allein zum Füttern und Melken nach Hause. Doch sie hatte immer weniger Arbeit, denn die Tiere wurden nach und nach geschlachtet. Schließlich blieben uns nur das kranke Pferd, zwei Ziegen und deren Junge. Das Pferd durfte ich zu B. mitnehmen und Mutti betreute die Ziegen; plötzlich waren auch die verschwunden. Sie waren aber nur durch das offene Tor weggelaufen und ich musste sie inmitten lauter Russen suchen. Voll Angst und Schrecken tat ich es. Die Minuten wurden mir zur Ewigkeit. Ich hab' es geschafft. Nun hatten wir aber noch immer viele Sachen im Bunker. Ich strebte, sie zu holen. Endlich war es soweit. Diesmal bekam ich den Ochsen von Onkel Hans, hatte aber nur einen Zügel, also musste ich neben dem Tier hergehen. Einige Russenkolonnen waren bereits abgezogen. Der Geschützdonner dröhnte nur noch von weitem. Aber nun war auch der Bunker ausgeplündert, Löcher waren gegraben, Stoffe, Wäsche, Kleider Ziehharmonika, Wein, Essen und unsere Pritsche gab es nicht mehr. Die Matratzen, Fett und ganz wenig anderes waren übrig geblieben. Tante Veronika fiel kopfüber in das metertiefe Loch, Mutti plagte sich unten mit dem Ochsen. In glühender Hitze schleppte ich mit letzter Kraft diese Sachen zum Wagen. Einen Eimer flüssiges Fett hatte ich in einer, die Zügel in der anderen Hand. Der Ochse wollte nicht und ich konnte nicht mehr gehen. Schon wankte ich, fast wäre ich zusammengebrochen. Das flüssige Fett lief über mein Kleid. Mit der letzten Kraft ging es weiter. Ich glaubte, das Dorf nicht mehr zu erreichen. Endlich waren wir da. Immer noch Russen auf den Straßen. Unser Haus war in einem furchtbaren Zustand, aber keine Russen mehr da. Im ganzen Hof hatten die Russen ihre Notdurft verrichtet, es stank fürchterlich. Die Abfälle warfen sie in den 12 Meter tiefen Brunnen und in das Regenwasserbecken. Hubert half mir, die Sachen in der Scheune zu verstauen und den Ochsen zurückzubringen. Dann ging es wieder zum Nachbarn B.


Gedicht für Rigo - meinen Pferde-Kameraden

Mein Pferd war mir ein Kamerad /
der mir oft soviel Freude gab /
der mich begleitet in Glück oder Leid /
ob nah oder weit an meiner Seit /
Das Pferd hat mich lachen gesehen /
aber auch weinen, wenn mir ein Leid geschehen /
zu ihm eilte ich hin /
wenn Schmerz durchzuckt meinen Sinn. /
Oft machten seinen Kopf meine Tränen nass /
wenn ich verzweifelt bei ihm saß /
und dann sein lieber treuer Blick /
gab mir Trost in jedem Geschick. /
Mit ihm führte ich meinen Freund zur Bahn /
damals als wir uns zum letzten Mal sah'n. /
Er war dabei als meine Liebe begonnen /
hat geseh'n, wenn ich glühende Küsse bekommen. /
Als er krank war, hab' ich ihn treu gehegt /
die tiefe Wunde hab' ich ihm gepflegt /
bis er endlich wieder gehen konnt /
und meine Müh' hat sich gelohnt. /
Doch, oh Gott, kaum war es soweit, /
da kam für mich eine schwere Zeit /
hergeben musste ich Rigo mein , /
fast dachte ich, das kann nicht sein. /
Ich stand, hatte Rigo an mich gepresst /
sein Haar war von meinen Tränen durchnässt. /
Ich hielt ihn bis der Russe kam /
und mir ihn aus der Hand gleich nahm./
Zum letzten Mal sah ich Rigo noch an /
einen letzten Kuss gab ich ihm dann /
dann haben sie ihn hinausgeführt /
ich stand da und hab' mich nicht gerührt. /
Nur Tränen rannen immer neu /
ach, Rigo, wie blicktest du doch so treu /
so dacht' ich immer - immer /
mein Rigo - dich vergess' ich nimmer!

weiter zum Teil 3




   
This Site is Created & Maintained by Assvatha E - Journal. All rights reserved