Asvattha

Home

About Asvattha

Über Asvattha

Current Articles

Archives

Search / Suche


Asvattha Web

Panorama

English

German

Malayalam

Spiritual Reflection

Spirituelle Reflexionen

Contribute

Terms & conditions

Teilnahmebedingungen

Submit an Article

Einreichen eines Artikels

Feedback

Related Links

Contact / Kontakt

Panorama: Lebenserinnerungen von Frau Maria Ebhart
 

18th April 2010

to print

Meine verlorene Heimat – Teil 3

einen Eimer in die Hand, ging sie suchen.

Maria Ebhart,
(In dieser Serie veröffentlicht Frau Maria Ebhart ihre Lebenserinnerungen)

 

zurück zum Teil 1

zurück zum Teil 2

Kriegsende am 8. Mai 1945

Der schreckliche Krieg war zu Ende. Doch für uns war der Schrecken noch lange nicht zu Ende. Viele Russen zogen ab, doch leider auch der Major, der uns so  erfolgreich beschützt hatte.

Wir weinten und wussten wieder nicht wohin. Zuerst wollte ich zu Rosina, doch dort war Liesel K. von vielen Russen vergewaltigt worden. Ich ging mit Mutti zu Tante Mitzi. Die Straße war durch die abziehenden Kolonnen fast versperrt. Mühsam schlängelten wir uns durch. Wüst sah die Straße aus, sämtliche Tore waren zerbrochen, die Häuser bis zu den Dächern mit Dreck bespritzt, die Mauern beschmiert. Ein Anblick des Grauens!!! In Tante Mitas Küche waren alle beisammen. Auch ein alter Russe und ein Offizier. Vor diesem fürchtete ich mich. Auch die anderen Zimmer waren noch besetzt. Hier war es unsicher. Wieder gingen wir durch die verwüsteten Straßen, diesmal zu Trude. Mit ihr, Helli und Erni verbrachte ich diese Nacht auf dem kleinen Boden über den Mansarden. Für genügend Bettzeug und Essen war gesorgt. Doch die Angst um meinen wichtigen kleinen Koffer, den ich nicht hatte, ließ mich kaum schlafen. Es war schon ziemlich spät, als wir endlich vom Boden wieder herunter konnten. Mutti war nicht da; ich wartete voll Verzweiflung auf sie. Schließlich nahm ich einen Eimer in die Hand und ging sie suchen. Ringsum die Kirche noch unzählige Russen. Ich eilte vorüber und traf Mutti. Sie brachte mir mein Köfferchen und den Pelzmantel in ein Kissen gehüllt. Dies alles nahm ich nun mit auf den Boden. Unter uns waren Russen. Wir durften nur flüstern, und ich weckte die Schnarchenden.

Wieder brach ein Tag an. Nun trauten wir uns schon kurz nach Hause, waren aber immer sprungbereit. Ich säuberte mein Zimmer vom ärgsten Dreck. Fand viele Fotos auf dem Misthaufen, einige konnte ich nicht mehr retten. Nachmittags fürchtete ich mich schon so sehr, dass ich mit Mutti zu Rosina ging. Dort waren noch sehr viele Leute versammelt. Schlimme Erlebnisse wurden geschildert. Beim kleinsten Geräusch sprangen wir auf, bereit zum Davonlaufen.

Als ich später wieder zu Trude schlafen gehen wollte, saßen betrunkene Russen da. Vor Angst und Schrecken eilte ich ins Nachbarhaus und wartete einen unbeobachteten Moment ab. Endlich kam Frau D. und holte mich. Trude war schon oben und nun kletterte ich mit Helli herauf. Doch diese Nacht verlief nicht so ruhig wie die beiden davor. Kaum lagen wir da, hörten wir einige Russen fluchend die Treppe heraufpoltern. Sie schrien nach Töchtern, suchten überall, auch in den Mansardenzimmern unter uns. Ich zitterte, doch sie fanden uns nicht, da die Leiter ja entfernt war. Plötzlich wieder Flüche. Der Lampenschirm unter uns zerschellte, polternde Schritte, dann wurde es ruhiger. An Schlaf war aber nicht zu denken. Morgens konnten wir aber ungesehen herunterschlüpfen. Mutti war die ganze Nacht wach gewesen, zuerst im Zimmer, dann im Freien und im WC. Auch von ihr forderten die Russen die Töchter. Als sie ihnen aber weinend sagte: "Die sind weggelaufen und ich weiß nicht wohin!" gaben sie sich zufrieden. Nun ging ich mit Mutti wieder heim. Da hielten wir uns schon länger auf. Doch, wohin in der Nacht? Diesmal gingen wir zu Zenzi N. Dies war aber eine sehr unruhige Nacht. Mich beunruhigte sehr, dass kein Notausgang vorhanden war. Als es nachts plötzlich klopfte, war ich vor Angst ganz starr. Doch es war nur Lehrer F., der sich verspätet hatte. Nun schlief ich abwechselnd bei Trude im Zimmer, bei Rosina in einem versteckten Keller oder bei der alten Zenzi N. Tagsüber blieben wir schon länger im eigenen Haus. Aus den Nachbardörfern kamen ganze Leiterwagen voll unglücklicher Frauen und Mädchen, die nach ihrer Vergewaltigung bei unserem Doktor G. Hilfe suchten.

Eines Tages, als wir wieder in unserem Haus waren, kam Nachbar O. und sagte, Anton sei gekommen. Ich ging gleich hin, konnte aber gar nicht lange mit ihm reden, da ein Russe kam und mir nachstellte. Anton brachte mich heim, und wir erzählten ihm von unseren Erlebnissen. Er riet uns, daheim zu schlafen und versprach zu kommen. Als er aber doch nicht kam, verbrachten wir angsterfüllt die erste Nacht zu Hause beim kaum verschlossener Tür. Nun schöpften wir Mut und schliefen noch zwei Nächte ungestört daheim. Doch dann kam die schreckliche vierte Nacht. Es klopfte an mein Fenster. Rudo, ein Tscheche, war hinten übers Türl gesprungen, um mich zu warnen. Schon hörte ich Schritte und Stimmen in unserem Vorhaus. Da waren sie schon, die Russen! Ich rief mit vor Angst bebender Stimme "Mutti, Mutti wo soll ich raus?" Ich versuchte es erst durchs Gassenfenster. Oh Gott, fast wäre ich einem Russen in die Arme gesprungen. Dann versuchte ich es beim Hoffenster, sprang heraus und suchte nach einem sicheren Versteck. Endlich kletterte ich auf das Dach von unserem kleinen Holzschuppen. Das Dach bestand aus Rebenbündeln. Kalt war die Nacht, doch ich rührte mich nicht. Schon hörte ich überall Russen; sie kamen von vorne und hinten, fluchten und suchten Mädchen. Ich hörte sie im Zimmer Klavier spielen, Taschenlampen flackerten auf. Ich lag reglos, das leiseste Geräusch hätte mich verraten. Im Nachbarhaus hörte man das Gegacker aufgeregter Hühner. Ringsum Schreien und Fluchen. Ich rührte kein Glied. Wie lange mochte ich wohl so gelegen sein, wohl kaum eine halbe Stunde, da wurde es ruhiger. Mir dünkte es aber eine Ewigkeit. Noch einmal kam ein einzelner Russe, dann war es überstanden. Erst jetzt spürte ich, wie kalt und feucht es war und welch herrlichen Duft der Misthaufen verbreitete. Mutti brachte mir nun eine Decke und erzählte mir, dass die Russen, als sie mein leeres Bett sahen, fluchend nach der Tochter verlangt hätten. Wieder weinte Mutti und jammerte: "Die ist weggelaufen!" Sicher haben sie deshalb überall fluchend und schimpfend gesucht. Endlos lang war die Nacht. Nun war es mit Daheimschlafen allerdings für lange Zeit zu Ende.

Ich ging nun täglich zu Rosina. Anfangs schliefen wir noch im Keller, doch dann schon im Zimmer. Da kam plötzlich Einquartierung zu Rosina. Also wieder auswandern. Diesmal ging es zu den Cousinen H. Acht Mädels waren dort beisammen. Kaum waren wir zu Bett gegangen, als auch schon Russenstimmen laut wurden. Plötzlich gellte der Hilferuf einer Frau durch die Nacht. Jäh fuhren wir aus den Betten; voll unsagbarer Angst standen wir nun mitten im Hof und lauschten. Doch es wurde ruhiger und langsam, furchtbar langsam wurde es Morgen. Schließlich verließen die stationierten Russen unser Dorf. Von Zeit zu Zeit fuhren aber immer wieder durchziehende Russen durch Untertannowitz. Wir gingen schon wieder aufs Feld. Anfangs noch furchtsam, später immer ruhiger. Einmal besuchte mich Anton. Ich hielt ihn zuerst für einen Russen und rannte, so schnell ich konnte davon. Erst als ich seine Stimme erkannte, blieb ich stehen.

Mein krankes Pferd konnte ich nicht mehr retten - es starb. Doch bald darauf verteilten die Tschechen Pferde, und ich bekam ein starkes, gesundes Pferd. Nun machte die Arbeit wieder Freude.

Fortsetzung folgt!




   
This Site is Created & Maintained by Assvatha E - Journal. All rights reserved