Meine Hoffnung
Pater Sebastian Athappilly, CMI
Wenn wir unser tägliches Leben betrachten, sehen wir, dass wir vieles aus Hoffnung unternehmen bzw. auf uns zukommen lassen. Dass wir zum Beispiel zum Krankenhaus gehen oder einen Arzt besuchen, ist alles von Hoffnung auf eine Besserung getrieben oder geleitet. Ohne Hoffnung könnten wir nicht leben. Die Menschen, die keine Hoffnung mehr haben, werden depressiv und begehen oft Selbstmord. Sie finden keinen Grund zu leben oder keinen Sinn. Sinn bedeutet Richtung oder Orientierung. Die an Christus glauben wissen um den Sinn des Lebens, auch wenn sie manche negative bzw. schmerzhafte Erfahrungen durchmachen müssen. Denn sie legen ihre Hoffnung auf den allmächtigen und liebenden Gott.
Der deutsche marxistische Philosoph Ernst Bloch (1885-1977) hatte ein Buch verfasst mit dem Titel Das Prinzip Hoffnung. Da schildert er die Hoffnung als Prinzip des menschlichen Zusammenlebens und als Triebkraft der Verbesserung der menschlichen Verhältnisse. Diese Utopie ist nach ihm eine reale Möglichkeit. Aber wir als Gläubige wissen, dass diese reale Möglichkeit nicht ohne Gott möglich sein wird, denn der Mensch ist in vielen Aspekten begrenzt und in Sünden verstrickt. Wie Jesus sagt, ohne ihn können wir nichts vollbringen (vgl. Joh 15,5). Der Grund unserer Hoffnung ist Jesus Christus. Nach Paulus waren die Epheser vor der Begegnung mit Christus ohne Gott und hoffnungslos (Eph 2, 12). Christus ist der Sieger über Sünde und Tod. Es ist offensichtlich, dass der Tod alle unseren Träumen und Pläne zerstört. Dies hat mit der Sünde der Menschen zu tun, denn der Lohn der Sünde ist der Tod und die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christus (Röm 6, 23). Nur Christus, der die Sünde und den Tod überwunden hat, kann uns die sichere Hoffnung schenken. Er macht alles neu. Eine neue Erde und einen neuen Himmel kann er uns daher verheißen. Wie Paulus schreibt, haben wir durch Christus den Zugang zu der Gnade erhalten, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes (Röm 5, 2). In 2 Kor 5,17 schreibt er: «wenn einer in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung». Im Buch der Offenbarung 21, 5 lesen wir Ähnliches. Das neue Jerusalem kommt vom Himmel, von Gott, herab (Offb 21, 2). Das heißt, eine neue Welt ist nicht von Menschen gemacht oder machbar oder etwas, das sich von unten her entwickelt, sondern Gottes Werk und Geschenk von oben! Das ist die absolute «Zu-kunft» Gottes, die von Gott her, auf uns zukommende neue Welt. Dies ist Hoffnung für alle. In der Auferweckung Christi hat Gott gezeigt, dass er das letzte Wort hat; nicht Sünde, oder Tod oder irgendeine böse Macht. Jesus hat in seinem Voraussagen von seinem Leiden und Tod immer von dem «dritten Tag» (Gottes) gesprochen. «Am dritten Tag werde ich auferstehen», sagte er (vgl. Mk 9, 31 und Parallele). Er hat seine Hoffnung auf den «dritten Tag Gottes» gelegt. Dieser «dritte Tag» gilt auch uns allen, die an Christus glauben und mit Christus leben und leiden. So können wir das Lied zu Christus singen, «meine Hoffnung und meine Freude bist Du, meine Zuversicht».
Durch das Kommen Jesu ist das Reich Gottes zu uns gekommen. Mit seinem Kommen ist das Reich Gottes in die Nähe gerückt. Daher hat er verkündet, die Zeit ist erfüllt (Mk 1, 15). Reich Gottes ist die Bezeichnung für das Heil oder Schalom, das Gott uns schenkt und worauf Israel sich Jahrhunderte lang gesehnt hatte. Das ist eine Situation, in der Gott als König regiert. Dann herrschen Friede, Liebe und Gerechtigkeit. Man kann aber das Reich Gottes nicht machen oder verdienen, sondern nur als Gnade ererben (vgl 1 Kor 6, 9). Jesus hat das Reich Gottes verkündigt. Er selber ist auch das Reich Gottes, «Autobasilea», wie Origenes (185-253/254 nach Christus) sagt. Alles ist Gnade (Römer 9, 15; vgl Joh 1, 17).
Wenn Jesus kommt, hat das Reich des Satans keine Chance. Die Dämonenaustreibungen Jesu verdeutlichen diese Wahrheit. Weihnachten ist daher das Fest der Hoffnung. Nicht nur für die Menschen, sondern auch für die ganze Schöpfung. Jesus hat seine Jünger beauftragt, die Frohbotschaft «allen Geschöpfen» zu verkünden (Mk 16, 15). Im Brief an die Römer schreibt der hl Paulus, die ganze Schöpfung liegt in Geburtswehen (Römer 8, 22) und wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes (8, 19). Hier ist von der Hoffnung der ganzen Schöpfung die Rede.
In der Enzyklika «Spe Salvi» über die christliche Hoffnung macht uns Papst Benedikt XVI. aumerksam, dass wir nach Paulus auf Hoffnung hin gerettet (Röm 8, 24) sind. Hoffnung ist aufgerichtet auf eine zukünftige Erfüllung. Der Papst sagt weiterhin, dass die uns geschenkte Hoffnung eine verlãßliche Hoffnung ist. Er bemerkt auch, Glaube und Hoffnung erscheinen in der heiligen Schrift als austauschbar. So verbinde der Brief an die Hebräer die «Fülle des Glaubens» und das «unwandelbare Bekenntnis der Hoffnung» ganz eng miteinander (10, 22.23). Wenn der hl Petrus uns auffordert, jederzeit zur Antwort über den Sinn und Grund unserer Hoffnung bereit zu sein (1 Petr 3, 15), sei Hoffnung gleichbedeutend mit «Glaube».
Die Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe werden theologische Tugenden genannt, weil Gottes ist, der diese Tugenden in unsere Seelen eingießt. Diese Tugenden haben den dreieinigen Gott als Ursprung. Sie haben Gott zum Beweggrund. Wir lieben Gott um seinetwillen, nicht um unseretwillen. Und sie haben Gott zum Gegenstand.
Die theologische Tugend der Hoffnung ist eine übernatürliche Tugend, durch die wir den beseligenden Besitz Gottes mit Zuversicht von der Güte, Allmacht und Treue Gottes erwarten. Hoffen heißt in diesem Sinne, vertrauensvoll zu erwarten, dass Gott uns helfen wird, die von ihm versprochenen Güter zu erlangen. Das Wesentliche der Hoffnung ist nicht das Verlangen, sondern das Vertrauen. Und was ist denn der Gegenstand der Hoffnung? Was hoffen wir von Gott? Vor allem die Verzeihung unserer Sünden, seine Gnade und die ewige Seligkeit. Wir dürfen die Herrlichkeit des Himmels erhoffen, der Gott denen verheißen hat, die ihn lieben und seinen Willen tun. Das entscheidende Motiv für die Hoffnung ist die Treue Gottes. Die Hoffnung äußert sich im Gebet und nährt sich vom Gebet. Aus dem Vertrauen in der Hoffnung erwächst uns Ruhe und Zuversicht des Herzens, Eifer und Tatkraft und Treue im Dienste Gottes, Gottergebenheit, Geduld und Standhaftigkeit in allen Mühen, Kämpfen und Leiden. Wir dürfen auch zeitliche Dinge von Gott erhoffen, soweit diese unserem ewigen Heile dienen.
Die drei göttliche Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sind für uns heilsnotwendig. Glaube und Hoffnung entsprechen dem Stande der irdischen Pilgerschaft. Die Liebe ist der endgültige Zustand, und die größte von ihnen, wie Paulus schreibt (1 Kor 13, 13). Das Symbol der Hoffnung ist in unserer Kirche als Anker dargestellt, wie wir auf dem Foto sehen. Denn unsere Hoffnung ist in Gottes Treue und Allmacht verankert. So gehen wir weiterhin auf unsere Heimat im Himmel zu. Wie die Seefahrer von Portugal damals auf ihrem Seeweg nach Indien über das «Kap der guten Hoffnung» (früher «Kap der Stürme» genannt) sicher ans Ziel gekommen sind, wollen wir durch Jesus Christus, unsere feste Hoffnung, in den Himmel, ins ewige Leben kommen. Bis dorthin ist der Mensch Pilger auf dem Weg, «Homo Viator“, auf den Weg zum Vater.