Juni 17, 2026
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Der Glauben: eine Herzensangelegenheit!

Rev. Prof. Dr. (Engi.) Varghese Panthalookaran

(M.Sc. Rajagiri School of Engineering & Technology)

 

Das Evangelium Mk 3, 20-35 bietet uns einen besonderen Einblick in das Herz von Maria.

Was bewegt ihr Herz? Wofür schlägt ihr Herz?

Es ist –wie bei Müttern im Allgemeinen –  in erster Linie die Sorge um das Kind, um sein Wohlergehen. Sie sorgen und kümmern sich um ihre Kinder, auch wenn diese erwachsen sind.

Bei Maria ist es Jesus, um den sie sich sorgt.  Für ihn schlägt ihr Herz wie ein ewiges Gebet!

Sie begleitet ihn mit mütterlicher  Sorge sein ganzes Leben!

Es war in der Gegend von Galilea. Jesu hatte sein öffentliches Leben gerade erst angefangen.

Eine Vielzahl von Menschen aus allen Ecken und Enden Israels folgte ihm, sah in ihm ihren Rabbi.

Sie hörten ihm gerne zu, ließen sich von seiner frohen Botschaft begeistern.

Für viele war er auch die letzte Rettung, wenn er sie von schlimmer Krankheit heilte oder sie von bösen Geistern befreite.

Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich seine Worte und Taten durchs ganze Land.

Jesus wurde berühmt und gewann viele Anhänger.

Aber ebenso schnell bekam er auch heftigen Gegenwind.

Pharisäer und Anhänger des Herodes waren seine ersten Gegner.

Als Schriftgelehrte und kluge Köpfe der jüdischen Gesellschaft ersonnen sie Falschwahrheiten über Jesus, sogenannte fake news, und verbreiteten diese überall, in den Synagogen, auf Straßen und Plätzen.

Sie sagten, Jesus sei selbst besessen von einem unreinen Geist, vom Beelzebub, dem Chef aller Dämonen wie wir im Markusevangelium hörten (Mk.3:22)!

Er könne also nur Dämonen austreiben, weil er selbst davon besessen sei!

Dieses üble Gerücht erreichte  auch die Ohren Marias.

Sie war geschockt und machte sich natürlich große Sorgen um ihren Sohn!

Einige seiner Angehörigen glaubten sogar diese fake news und machten sich auf den Weg, um Jesus, wenn es nötig, mit Gewalt nach Hause zu holen (Mk.3: 21).

So kamen sie vor das Haus, in dem Jesus gerade lehrte und ließen ihn herausrufen.

Man sagte zu ihm: „Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir“.

Jesus aber wollte in diesem Augenblick keine Unterstützung seitens seiner leiblichen Familie und erklärte deshalb seinen Zuhörern, er betrachte alle, die den Willen Gottes erfüllten, als  seine  Geschwister und seine Mutter (Mk. 3:35).

Sie werden ihm Schutz gewährleisten. Jesus vertraute also seinen Jüngern grenzenlos!

 

Es war nicht das erste Mal, dass die Mutter Jesu sich große Sorgen um ihren Sohn machte und ihn deshalb aufgesucht hatte.

Wir erinnern uns: Im Alter von zwölf Jahren ging er bei einer Pilgerfahrt nach Jerusalem verloren.

Jesus war in den Tempel gegangen, um den Schriftgelehrten für Fragen und Antworten bereit zu stehen, während seine Eltern aufgeregt nach ihm suchten.

Als sie ihn endlich gefunden hatten, fragte ihn seine Mutter vorwurfsvoll: „Warum hast du uns das angetan?“

Jesus verteidigte sich damit, dass er eine Mission zu erfüllen habe, die ihm sein Vater im Himmel anvertraut hatte.

Doch er ging mit seinen Eltern nach Hause zurück und verbrachte in Nazareth ohne weiteres Aufsehen zu erregen die nächsten achtzehn Jahre seines Lebens.

 

Die mütterliche Sorge Marias hatte Jesus also von seiner ersten großen Bühne heruntergeholt!

Ein anderes Beispiel mütterlicher Fürsorge wird uns vom Evangelisten Johannes geschildert.

Es war bei einem Hochzeitfest in Kanaa.

Jesus und Maria gehörten zu den eingeladenen Gästen.

Nun ging bei dieser großen Feier mittendrin der Wein aus! Was für eine Schande für die Gastgeber! Diesmal war es Maria, die ihrem Sohn eine große Bühne bereiten wollte.

Er sollte von seinen besonderen Fähigkeiten Gebrauch machen und damit die Gastgeber aus ihrer heiklen Situation retten!

Doch Jesus erwiderte ihr: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“ (Joh. 2:4).

Aber Maria gab nicht auf.

Sie wusste, dass er die Gastgeber nicht im Stich lassen würde und sagte deshalb zu den Dienern: „Was er euch sagt, das tut!“

Und so vollbrachte er sein erstes Wunder vor einer großen Schar von Menschen.

Was für ein eindrucksvoller Anfang seiner öffentlichen Mission!

 

Später sehen wir Maria beim Kreuzweg von Jesu nach Golgotha.

Bei seinem Anblick war es ihr, als durchbohrte ein Schwert ihr Herz wie Simon es vorhergesagt hatte.

Sie wusste, dass sie ihm das Kreuz nicht abnehmen kann.

Aber sie wollte ihm beistehen und ihn ermutigen, seinen schweren Weg weiter zu gehen bis zum Ende.

Deshalb blieb sie in seiner Nähe bis er an Kreuz genagelt wurde und wurde Zeugin, als ein Soldat namens Longinus seine Lanze in die Seite Jesu stieß.

„Sogleich floss Blut und Wasser heraus“, beschreibt Johannes diese Szene. (Joh.19:34).

 

Kirchenlehrer betrachten dieses Ereignis als Geburtsstunde der Kirche!

Denn Blut und Wasser kennzeichnen nicht nur den Tod eines Menschen, sondern auch die Geburt!

Also entstand die Kirche aus dem Herzen Jesu heraus!

 

Ich finde, das ist eine schöne Darstellung von der Entstehung der Kirche!

Denn die Kirche Christi ist eine Herzenssache, der Glaube eine Herzensangelegenheit.

Er ist keine Kopfgeburt, keine Philosophie oder
Weltanschauung, sondern eine Sache, die aus dem tiefsten Herzen Jesu kommt.

Wir, die Gläubigen, sind durch die Herzenswunde Jesu neu geborene Kinder Gottes!

Was für ein Geschenk, was für ein Geheimnis!

So hat Jesus es gewollt! Er hatte es klar gesagt: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen“ (Joh.3: 5).

Aus seinem eigenen Blut und Wasser wird also die Kirche geboren.

Der Heilige Geist ist wie der Vater in dieser Wiedergeburt für die Jünger.

Und Jesus selbst ist wie eine Mutter!

 

Denken wir an das letzte Abendmahl, als Jesus den Kelch mit Wein nahm und sagte:

Nehmt und trinkt davon! Das ist mein Blut, das Blut des Neuen Bundes (Mk.14:24).

Um den Inhalt dieses Satzes wirklich zu begreifen, sollten wir uns fragen, wer bereit ist, vom eigenen Blut und vom eigenen Fleisch etwas herzugeben.

Ist es nicht die Mutter, in deren Schoß ein Kind heranwächst und das sie mit Blut und Schmerzen gebiert?

Es ist eine intensive Verbundenheit!

Und diese enge Bindung an Jesus ist für uns Gläubige der Neue Bund!

Der Alte Bund, der auf dem Berg Sinai entstanden ist, verband das Volk Gottes mit Ihm nur äußerlich.

Er war wie ein Vertrag, der auf eine Steinplatte geschrieben wurde.

Die Menschen konnten diesen Alten Bund immer wieder brechen und  sich von ihm lösen.

Der Neue Bund aber verband aus seinem Inneren heraus die Jünger Jesu  mit Jesus und untereinander. Diese Bindung war so innig wie die einer Mutter zu ihrem Kind.

In jeder Heiligen Messe lädt Jesus uns ein, zu ihm zu kommen. Wir hören seinen Ruf:

„Nehmt das Brot und esst davon! Das ist mein Fleisch“.

„Nehmt den Kelch und trinkt daraus. Das ist mein Blut, das Blut des Neuen Bundes“.

 

Bei diesen Worten wird uns bewusst, wie eng seine mütterliche Bindung an uns ist und unser Glauben etwas ganz Existentielles bedeutet.

Vom Kreuz herab hat uns Jesus Maria als unsere spirituelle Mutter angeboten.

Denn mit seinem Herz wurde auch ihr Herz durchdrungen von der Liebe für uns.

Durch Jesu Hingabe versorgt uns auch Maria mit Wasser und Nahrung für unseren Glauben.