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Es war die Zeit 1927/28. Der Nikolaustag war von uns
Kindern immer mit Spannung, auch mit
Unsicherheit erwartet worden. Dass der
Nikolaus das "Sündenregister" kennt, war uns
klar: ‚Den Eltern nicht gefolgt, ‚in der
Schule nicht aufgepasst’ ‚Hausaufgaben nicht
ordentlich gemacht’ ‚beim Spielen ab und zu
miteinander gestritten’ ‚andere Leute
geärgert’ ‚in der Schule keine Milch
bestellt, das Geld vernascht’. Einer aus
unserer "Schar", der Kurt, trug einmal am
Nikolaustag die Schere seiner Mutter in der
Hosentasche herum, falls er in den Sack
gesteckt werde, dass er durch Aufschneiden
des Sackes dem Nikolaus wieder entwischen
könnte.
Aufregend waren auch jedes Jahr die letzten Adventstage bis
zum Heiligen Abend. Neugierig und ungeduldig
spitzten wir durch Schlüssellöcher, um das
Christkind und seine Helfer zu sehen.
Gespannt horchten wir auf das Lauten des
Weihnachtsglöckchens bis endlich die
Zimmertür geöffnet wurde und man vor dem im
Lichterglanz strahlenden Christbaum stand.
Mama spielte ein paar Töne auf der Zither,
dann sangen wir miteinander ‚Stille Nacht
Heilige Nacht’ und ‚Zu Bethlehem geboren’.
Erst dann wurden, die meist in Erfüllung
gegangenen, Weihnachtsgeschenke betrachtet
und bejubelt.
Von Wohnung zu Wohnung zogen wir 10 Kinder durch das ganze
Haus, immer musizierend. Die drei „großen
Buben“, Rudi, Willi, Ludwig spielten Geige,
Gitarre, Mundharmonika. Plätzchenessen
gehörte selbstverständlich dazu.
Während die Erwachsenen zur Mette gingen Schliefen wir
Kinder mit geröteten Backen dem
Weihnachtsmorgen entgegen. |